Inhalt
Inhalt:
Anregung und Vorbereitung des Baues
Anordnung des Areals in der Landschaft
Bau des Areals
Symbolik und architektonische Gestaltung
Ausgestaltung der Wallfahrtskirche
Kirchliches Geschehen in der Zeit des Aufstiegs und späteren Absturzes
Das Areal erweckt zum Leben
Neuzeitliche Geschichte
Anregung und Vorbereitung des Baues
Der Bau der Wallfahrtskirche des heiligen Johannes von Nepomuk, unweit des Žďárer Klosters, realisierte sich dank langjähriger, enger und äußerst fruchtbarer Zusammenarbeit zweier außergewöhnlicher Menschen. Die Anregung kam vom Abt des Žďárer Zisterzienserklosters Václav Vejmluva, der ein Verehrer des Johannes von Nepomuk noch vor Selig- und letztendlich Heiligsprechung dieser Persönlichkeit war.
Die Vorbereitungen zum Projekt sind datiert in der Zeitspanne von Ende April bis Anfang August des Jahres 1719 und sind eine unmittelbare Reaktion des Abtes auf den Fund erhaltener Gewebe im Grab des Johannes von Nepomuk im Veitsdom vom 15. April des Jahres 1719. Das Bauprojekt wurde dem berühmten Architekten Johann Blasius Santini-Aichel anvertraut, dem Abt Vejmluva seine Vorstellungen über Gestalt des neuen Abatons sowie benutzter Symbole anvertraute, was ganz im Einklang mit den Anforderungen der Kirche stand: „Der Auftrag gehört dem Vater, die Ausführung dem Künstler“. Aus diesem Entwurf ist daraufhin der Architekt bei seiner Arbeit ausgegangen. Santini fasste das Projekt ganz individuell auf, ohne Hinblick auf historische Gewohnheiten im Bereich sakraler Bauten und akzeptierte nur gegenwärtige Aspekte für den Aufbau des Wallfahrtsareals. Die Vorstellung des Bauherren über die Kirche, in der ein Sternenbild die Hauptrolle spielen sollte, verschmolz der Architekt zu außergewöhnlich wirkenden Gestalten, die erst die moderne Zeit zu schätzen bewies und auch das nicht immer. Noch im Jahre 1889 äußerte sich das Mitglied der Zentralen Kommission, Architekt Friedrich Radnitzky über die Kirche als über „eine Erscheinung bildendes Mysterium“.
Das Projekt wurde ungewöhnlich schnell durchgeführt, aber das bedeutete nichts Ungewöhnliches für Santini. Überdies arbeiteten Auftraggeber und Architekt lange Jahre zusammen und im Bereich der Symbolik und kabbalistischen Lehre, die sich im Vorschlag in einem großen Ausmaß durchsetzte, waren beide sehr erfahren. Santini wusste sehr gut, was man von ihm verlangte. Die Erfolgsarchitektur wurde somit zweifelsohne auch von der Atmosphäre des beidseitigen Verstehens positiv beeinflusst. Die endgültige Baugestaltung unterscheidete sich nicht wesentlich vom ersten Plan und man ging nur auf Teiländerungen ein.
Anordnung des Areals in der Landschaft
Im Hinblick zur Bedeutung, die der Kirche zugeschrieben wurde und dem Betrieb, der hier vorgesehen war, ist es notwendig gewesen, mit passender Überlegung den Ort zu wählen, wo das gesamte Areal erbaut wird. Die gewählte Lokalität musste neben der Erfüllung der Platzbedingungen auch noch eine gewisse Wirkung der Architektur der nicht alltäglichen Formen erheben. Ursprünglich war die Anhöhe, östlich des Klosters, wo die Kirche stehen sollte, mit dichtem Wald bewachsen. Dem entsprach auch die Bezeichnung „Schwarzer Wald“. Der Waldbestand wurde im Zusammenhang mit der Bebauung abgeholzt und der Hügel „Grüner Berg“ benannt, was eigentlich ein Hinweis auf das mütterliche Kloster des Žďárer Ordenshauses und gleichzeitig auch auf den vermutlichen Ort, wo Johannes von Nepomuk geboren wurde, ist. Dank der Abholzung des Waldes wurde das hier entstandene Objekt umgehend zur Dominante der gesamten Umgebung.
Die ideale Lage, wie es schien, blieb nicht lange erhalten und in der Zeit der Klosterauflösung wurde die freie Fläche des Areals intensiv genutzt. Urkundlichen Unterlagen zufolge wurde im Jahre 1839 der Grüne Berg teilweise bewaldet (nördlicher Hang und ein Teil des südlichen Hanges), wobei die Zusammensetzung und die Qualität gering waren. Restliche Teile wurden an vielen Stellen mit Flugsträuchern bedeckt und als Weide für das Vieh genutzt. Der Gutsbesitzer Franz Joseph Fürst von Dietrichstein verlangte jedoch eine gesamte Bewaldung der Fläche. Das hat der damalige Verwalter des Hauptamtes, František Turinský, hinsichtlich der geringen Qualität des Waldbestandes und der regelmäßigen Vernichtung der Bäume durch die Pilger nicht empfohlen. Seiner Meinung nach wäre die Anlegung eines englischen Gartens am geeignetesten, was jedoch der Fürst wegen zu hoher finanzieller Ausgaben ablehnte. Die vom Fürst genehmigten bescheideneren Änderungen endeten letztendlich in den vierziger Jahren in der Gesamtbewaldung, obwohl hier ein Holztanzsaal für die kulturelle Nutzung der Bewohner errichtet worden war, für die der Grüne Berg die Funktion eines Ausflugs- und Erholungsortes erfüllte. Die Bewaldung dauerte bis in die Anfänge des 21. Jahrhunderts an, wo im Rahmen der Revitalisierung der gesamten Lokalität die Bäume wieder abgeholzt wurden. Heute haben die Besucher die Möglichkeit, die Kirche so zu sehen, wie sie die Pilger in den Zeiten ihres größten Ruhmes erlebten.
Wie wir in den nächsten Kapiteln feststellen werden, ist die Lage vom Gesichtspunkt des Wirkungsgrades für die Nutzung des Baues in der Landschaft vorteilhaft, jedoch die Wirkung der Witterungseinflüsse auf den Bau ist unvorteilhaft. Darüber hinaus gehört die hiesige Landschaft zu den weniger gastfreundlichen. Die relative Exponierung des Standortes ist heute Grund der schnellen Alterung und Abnutzung des benutzten Baumaterials, was auch verursacht, dass das Denkmal eine häufigere Instandhaltung erfordert.
Bau des Areals
Der Bau der Kirche war ungewöhnlich angesetzt, am 13. August 1719, mitten in der Bausaison, und auf ein so großes Bauvorhaben nicht eingestellt. Selbstverständlich handelte es sich um vorbereitende Arbeiten, welche da waren: Vermessung, Ausgrabung und Ausmauerung des Fundaments des zukünftigen Baues, wobei Fachleute bei der Kirche eine Ausmauerung über dem Terrain voraussetzten. Inzwischen musste man gewiss auch eine große Materialzulieferung für das nächste Jahr sicherstellen und auch Fachkräfte und Tagelöhner im ausreichendem Maße vereinbaren, damit auch weiter alles ohne Komplikationen ablaufen konnte. Im nächsten Frühling ging unter der Leitung des Bauleiters Johann Jacob Vogler aus Kuttenberg (Kutná Hora) die Arbeit schnell voran. Am 16. Mai 1720 fand auf der Baustelle die feierliche Grundsteinlegung statt und der Grobbau der Kirche war daraufhin wahrscheinlich schon im Jahre 1721 fertig. Definitiv abgeschlossen war der Bau im darauffolgenden Jahr. Im gleichen Jahr wurde das Heiligtum dann auch provisorisch eingerichtet und ausgeschmückt. Am 27. September 1722 fand die festliche Einweihung statt, nach der die Arbeiten im Areal allerdings nicht endeten. Es war auch notwendig, den Kreuzgang zu beenden, worauf die gemauerten Gründe, die mit Erde überhäuft waren, bisher vermutlich warteten. Ebenso benötigte die Kirche ständig Einrichtungen und Ausschmückungen. Der Kreuzgang wurde Berichten zufolge erst 1740 völlig fertig gestellt. Strenge Winter in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts gaben noch Anlass zu gemäßigten und zum Glück verhältnismäßig empfindlichen Umbauten des Kreuzganges. Es wurden einige Portale vom Gang in den Vorhof zugemauert und die Tore der Portale und einzelnen Kapellen herabgesetzt.
Symbolik und architektonische Gestaltung
Die Kirche ist nach dem Grundriss eines 5-zackigen Sterns aufgebaut. Diese Tatsache soll aus einer Legende hervorgehen, in der behauptet wird, dass an der Stelle, wo Johannes von Nepomuk ertrank, eine Krone mit fünf Zacken entdeckt wurde. Dieses Symbol zeigt sich wiederholt dann auch noch in anderen Bauelementen. Das Areal ist durch fünf Eingänge zugängig, in der Kirche sind fünf Kapellen mit fünf Altären. Fünf Buchstaben hat auch das lateinische Wort TACUI – ich schwieg. Das ist die Äußerung aus der Legende, laut der der Heilige mit seinem Leben dafür bezahlen musste, dass er nicht das Beichtgeheimnis der Königin Sophia verriet. In der Aufzählung von Fakten, die mit der Ziffer fünf charakterisiert sind, könnten wir weiter fortfahren. Der Kern des Kirchenschiffes ist abwechselnd von vier Kapellen und dem Presbyterium und fünf Vorsälen umgeben.
Die Dominante der Kirchenkuppel ist eine große rote Zunge, das Symbol des heiligen Johannes von Nepomuk, umgeben von einem Flammenkreis, aus dem Strahlen leuchten. Das ist allerdings erst das Ergebnis der Änderungen im ursprünglichen Projekt, das an dieser Stelle einen zentralen 10-zackigen Stern plante. Der Projektant reagierte zu guter Letzt auf die Tatsache, dass für die neue Kirche eine kostbare Reliquie erworben wurde, die Lingula des heiligen Johannes von Nepomuk (Knochen, an dem ihm eine Zunge angewachsen war) und diese Tatsache benutzte er zur Bedeutungsbestärkung des Abatons, und zwar als Reliquiar. Die dargestellte Zunge ist das Symbol der Siegeswaffe – das Schwert des Märtyrers Johannes. Deswegen haben auch manche Fenster die Form einer Zunge, konkret die in der Laternenkapelle über den Eingangsvestibülen. Weitere Fenster tauchen wieder in Form einer Bischofsmütze auf und verweisen damit auf den Bauherren und Abt Václav Vejmluva. Die letzte Form, die hier bei den Fenstern benutzt wurde, ist das sphärische gleichseitige Dreieck, das die Heilige Dreifaltigkeit symbolisiert.
Die Ausstattung der Wallfahrtskirche
Es war notwendig, die Kirche bereits nach ihrer Einweihung auszustatten, was im Jahre 1722 geschah. Bei dieser Gelegenheit musste sich jedoch die Kirche noch mit ihrer provisorischen Ausstattung begnügen, später kam es zur allmählichen Nachausstattung mit bleibendem Mobiliar. Den Altar als Haupt- und wichtigsten Bestandteil der Ausstattung, entwarf der Architekt Santini persönlich. Den Hintergrund des Altars bildet ein reich geschmückter und geraffter Baldachin. Die zentrale Statue ist der auf einer Erdkugel stehende und optisch nach oben emporsteigende heilige Johannes von Nepomuk. Fünf 8-zackige Sterne auf der Erdkugel stellen die fünf Kontinente dar, auf denen das Christentum verbreitet wurde. Die Erdkugel ist von drei Engeln umrungen, kompositionsmäßig in den Buchstaben V verteilt, zwei weitere gleich große Engel an den Seiten schieben den Baldachin weg, der den Hintergrund der gesamten Szene bildet. Über dem Kopf des Heiligen sind drei kleine Engel angeordnet, einer von ihnen hält in seiner Hand einen Schlüssel und der andere ein Siegel, was wir als Hinweis auf das Schweigen des Heiligen verstehen können. Die seitlichen Altäre sind den vier Evangelisten gewidmet, Mathias mit dem Buch, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler.
Den Hauptaltar sowie die Seitenaltäre, dessen Grundlage wiederum Santini´s Vorschlag war, begann der Bildhauer Johann Pavel Czechpauer aus Chrudim anzufertigen. Nach dessen Tode beendete den Hauptaltar der Bildhauer Řehor Theny im Jahre 1723. Aus seiner Hand ist auch die bildhauerische Ausschmückung der Kanzel. Die silberne Pilgerstatue des heiligen Johannes von Nepomuk wurde nach Theny's Modell vom Prager Goldschmied Johann Norbert Diesbach angefertigt.
Der Kreuzgang um die Kirche herum hat den Grundriss eines 10-zackigen Sternes und wird von fünf Pforten unterbrochen. Die Dächer der Pforten waren ursprünglich mit fünf Statuen geschmückt worden, die die Tugenden des Johannes darstellten. Bis heute sind drei Statuen erhalten geblieben, die Statuen wurden noch von Schildträgern begleitet. In zeitgenössischen Quellen wurden noch Glocken erwähnt, fünf sollen es gewesen sein. Die frühere reiche Ausschmückung der Stuckgemälde und der Steg auf dem Gewölbe sind nur in einem sehr kleinen Ausmaß erhalten geblieben. Im Kreuzgang befinden sich fünf Kapellen, eine von ihnen ist mit Fresken ausgeschmückt. Diese Kapelle wurde auch Deutsche Kapelle genannt, weil hier die Heiligen Messen in deutscher Sprache abgehalten wurden. Der Architekt hatte den Kreuzgang gemeinsam mit der Kirche entworfen, zur seiner Fertigstellung kam es jedoch erst nach dem Jahre 1735. Das bedeutet, dass der Architekt die Fertigstellung seines Werkes nicht mehr erlebt hat, denn Santini starb schon im Jahre 1723. Der Kreuzgang, der vielfach Teil der Pilgerstellen ist, hatte einen praktischen Zweck. Er diente den Pilgern, die auf den Grünen Berg kamen. Die Pilger konnten sich im Kreuzgang vor dem Regen schützen, sich sogar ausruhen oder übernachten. Die Hofwände schmückte bei festlichen Anlässen eine Reihe legendärer und symbolischer Szenen, die in Kartuschen untergestellt waren. Strenge Winter in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts waren Grund für die wenigen Umbauten im Kreuzgang. Einige Portale vom Flur in den Hof wurden eingemauert und Portale der Pforten und Kapellen wurden herabgesetzt.
Der Friedhof war in den ursprünglichen Plänen des Architekten nie eingeplant, der Hofplatz war bis ins 19. Jahrhundert hinein begrast, damit nichts der Wahrnehmung des zentralen Heiligtums im Wege stehen konnte und es war hier ausreichender Raum für die ankommenden Pilger. Durch die Wirkung der Bestattungen kam es zur Anhäufung des Terrains und dem „Versinken“ der Kreuzgänge, die den Baugrundsatz beschädigt haben. Heute wird auf dem Grünen Berg nicht mehr bestattet. Allmählich kommt es zur Verlegung der Grabstätten auf den naheliegenden neuen Friedhof. Das Terrain wird danach allmählich auf die ursprüngliche Höhe versenkt und die Fläche zwischen der Kirche und dem Kreuzgang wird nur mit Rasen bedeckt sein, wie es in der Vergangenheit gewesen ist.
Christliches Geschehen in der Zeit des Aufstiegs und späteren Absturzes
Die Kirche auf dem Grünen Berg wurde von Anfang an zu einem der besuchtesten Wallfahrtsorte und in ihrer Region wurden viele prächtige Barockfestlichkeiten verwirklicht. Diese Situation hielt jedoch nicht lange an. Einen grundsätzlichen Umsturz ins Klosterleben wie auch in die Wallfahrtskirche brachte der Brand am 16. Juli 1784, der Kirche wie auch Kreuzgang des Daches beraubte. Nach dem Brand folgte schlechthin das unlogische Gesuch des damaligen Abtes Otto Steinbach von Kranichstein um Aufhebung des Klosters, das er dem Kaiser zukommen ließ. Der Kaiser Joseph II. entsprach noch im Oktober desselben Jahres dem Gesuch, obgleich er ursprünglich beabsichtigte, hier eine Zufluchtstätte zu bewahren für schuldbeladene und von kirchlichen Behörden verurteilte Priester. Gleich nach dem Brand wurde zwar eine Sammlung veranstaltet, die es ermöglichen sollte, die entstandenen Schäden an Kirche und Kreuzgang zu reparieren, aber das einzige, was gelang, war, die Dächer provisorisch abzudecken. Der Rest der nicht genutzten Mittel wurde den Spendern zurückgegeben. Als das Kloster aufgehoben und die Kirche zum Schließen bestimmt war, wurde ein Verzeichnis des Kircheninventars erstellt und die Kostbarkeiten sofort aus der Kirche weggeführt. Im Jahre 1785 erlaubte man am Festtag des heiligen Johannes von Nepomuk einen Gottesdienst abzuhalten. Doch auch fortan war mit dem Fortschaffen der Ausstattung zu rechnen, zu dem es letztendlich auch öfter kam. Die Orgel wurde in die Kirche des heiligen Wenzel in Radešínská Svratka verlagert und dort installiert, die Kanzel kam in die Kirche der Jungfrau Maria in Obyčtov und die Bänke in die Kirche des heiligen Martin in Jámy.
Das Areal erwacht zum Leben
Nach einigen Jahren, gegen Ende des Jahres 1791, begannen sich die Bewohner von Žďár und Neustadt (Nové Město) um Reparatur und Neueröffnung der Kirche zu bemühen. Das Gubernium und auch das Kreisamt der Stadt Iglau (Jihlava) ließen für die Wünsche der Bürger Verständnis durchblicken, der Brünner Bischof Lachenbacher jedoch nicht. Im Jahre 1792 jedoch, ungeachtet der Stellungnahme des Bischofs, gab das Gubernium die Erlaubnis zur Erneuerung der Kirche und das zu diesen Bedingungen: zur Kirche wird der Žďárer Friedhof umgelagert und die Kirche wird Beerdigungen dienen, nie als Wallfahrtsort. Die Bewohner jedoch forderten die Wiederaufnahme des Gottesdienstes und der Prozession. Der Bischof stellte sich wiederum ablehnend und auch das Gubernium war nicht mehr gewillt, von seinen ursprünglichen Bedingungen zurückzutreten. Den Antragstellern teilte man mit, dass, wenn sie die Bedingungen nicht annehmen, man die Kirche abreißen und das Material auf diese Art erworben, versteigern werde. Im August 1792 erlebte der heruntergekommene Bau eine neue Überdachung und zu guter Letzt auch weitere unerlässliche Maßnahmen. Die Reparaturen des Kreuzgangdaches folgten erst in den Jahren 1794 – 1802. Es ist zwingend nötig zu erwähnen, dass die gesamte Arbeit und der Nachkauf der notwendigsten Ausstattung nur aus Geldgeschenken finanziert wurden und das von den Gläubigern und auch vieler ehemaliger Žďárer Mönche. Den größten Anteil an der Organisation dieser keineswegs leichten Aktion hatte, laut seiner Zeitgenossen, Priester Bonifác Procházka, ehemaliger Zisterzienser (und Namensbruder des Sekretärs V. Vejmluva). Die Fertigstellung der Reparaturen jedoch erlebte er nicht mehr, er starb schon im Jahre 1796. Noch im Verlauf der Arbeiten, spätestens im Jahre 1800, begann man in der Kirche Gottesdienst abzuhalten und noch etwas später, etwa im Jahre 1803, begann man wieder mit den Kirchweihen. Diese waren allerdings nur noch ein schwacher Reflex vergangener Kirchweihen.
Wie schon oben beschrieben wurde, erfordert das Areal dank der exponierten Lage verhältnismäßig oft eine Instandhaltung. In den Jahren 1815 - 1824 durchliefen dann weitere Ausbesserungen, diesmal koordinierte sie der Žďárer Pfarrer Josef Linek. Wiederum wurden sie ausschließlich aus Sammlungen finanziert und ein nicht geringes Maß an Verdienst um die Erhaltung der Kirche im guten Zustand erwarb sich in dieser Zeit die Familie Hafenbrändl.
Im Jahre 1826 kam der Žďárer Gutsbesitz in private Hände. Das brachte ein neues Element mit sich, das in die Ausbesserungen der Kirche des heiligen Johannes von Nepomuk bejahender oder verneinender Weise eingreifen konnte. Der neue Besitzer hatte nämlich nur Patronatspflichten zur Pfarrkirche (früher zur Klosterkirche), niemals allerdings zur Kirche des heiligen Johannes von Nepomuk. Ein eventueller Zuschuss für die Ausbesserung der Kirche auf dem Grünen Berg hing also ganz vom guten Willen des Eigentümers der Grafschaft ab. Ab 1824 wirkte in der Pfarrei Matthias Sychra, eine weitere bedeutende Persönlichkeit in der Geschichte der Kirche. Im Jahre 1826 spornte ihn der neue Besitzer der Grafschaft, Vratislav aus Mitrovitz, zu neuen Ausbesserungen des Abatons an, nebenbei schlug er auch vor, dass bei dieser Angelegenheit der zerfallene Kreuzgang abgerissen werden sollte. Sychra empfahl ihm diesen Schritt nicht und der Graf gehörte zum Glück nicht zu denen, die ihre Vorschläge um jeden Preis durchzusetzen versuchen. Auch Jahre nach Sychra's Tod brachten die Notwendigkeit, zumindest Instandhaltungsarbeiten sicherzustellen. 1833 riss der Sturm einen Teil der Dachbedeckung herunter, im Jahre 1842 brannte nach einem Gewitter der Dachstuhl der Kirche ab, 1850 schlug erneut der Blitz ein und es brannte wieder ein Teil des Daches ab. Weitere Ausbesserungen umfangreicheren Charakters realisierte man in den Jahren 1857 bis 1860 und wurden überwiegenden Teils vom Besitzer des Gutsbesitzes, Joseph Fürst von Dietrichstein, finanziert. Ihre Wiederholungen, hauptsächlich am Kreuzgang, wurden schon im Jahre 1862 teilweise von der neuen Besitzerin des Gutsbesitzes, Clotilde Gräfin Clam-Gallas finanziert.
Ungefähr 20 Jahre später war die Kirche wieder heruntergekommen und erforderte weitere bauliche Eingriffe. Finanzmittel für die Ausbesserung wurden diesmal schon teilweise durch Staatssubventionen ergänzt und die Arbeiten zogen sich bis 1903 hin. Sie betrafen aber nicht den Kreuzgang, der auf die Reparatur warten musste. Die geplante Arbeit verlängerte sich diesmal allerdings nicht gering, und das aus diesem Grunde, dass in dieser Zeit schon der Staat und das Institut für Denkmalpflege – die so genannte Zentralkommission, in den Prozess eingriffen. Der Prozess der Billigung hielt die Ausbesserung des Kreuzganges bis 1914 auf. Die Hoffnung auf die Wiederaufnahme verhinderte der Erste Weltkrieg.
Neuzeitliche Geschichte
In den Nachkriegsjahren 1922 und 1923 kam es in der Kirche nur zum Auswechseln eines Teils der Fenster. Den Kreuzgang erwartete keine Reparatur und zerfiel. Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsjahre bedeuteten völlige Absenz von Reparaturen und Instandhaltung des Areals. Im Jahre 1953 wurde der Staat Eigentümer des Wallfahrtsareals und gleichzeitig übernahm er auch die Pflicht, die Instandhaltung sicherzustellen. Die bauliche Erneuerung verlief erst in den 70er und Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts. Im Hinblick auf die Entwicklung der Theorie des Denkmalschutzes als Fachgebiet und sein Einfluss auf die tägliche Praxis, kam es zur Vorbereitung des Passports Erneuerung und der allmählichen Ausarbeitung detaillierter Forschung und später Ausarbeitung von Projekten zu den einzelnen rekonstruierten Maßnahmen. Das Suchen authentischer Bauähnlichkeiten und Rekonstruktionsarbeiten verliefen in einigen Betrachtungen nicht ohne Fachfehler und Probleme begannen sich auch in der Sphäre der personellen Sicherstellung der Baumaßnahmen zu zeigen. Die neue Handwerksgeneration vermisste Kenntnisse und Angewohnheiten, die mit den ursprünglichen Technologien zusammenhingen.
Im Jahre 1994 wurde die Vorbereitung der Zugrundelegung für den Antrag der Aufnahme ins Verzeichnis des Weltkulturerbes der UNESCO angesetzt. Ende 1994 stimmte der Ausschuss für Weltkulturerbe der UNESCO dem Antrag der Wallfahrtskirche für dieses Prestigeverzeichnis zu.
Dieses zweifellos bedeutende Ereignis verschärfte den Blick der Fachinstitution, welche das Nationalinstitut für Denkmalpflege ist, für sämtliches Geschehen im Areal der Kirche. Alle Schritte im Bereich Reparatur und Rekonstruktion der Denkmäler, die im Verzeichnis des Weltkulturerbes eingetragen sind, müssen deshalb nicht nur gut überlegt sein, sondern ebenfalls in so genannten Monitormitteilungen jährlich dokumentiert und präsentiert werden.





