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Václav Vejmluva (19. 9. 1670 - 17. 3. 1738) – Abt des Klosters
Václav Vejmluva wurde am 19. September 1670 in der Familie des Johann Vejmluva, dem Brauer des Zisterzienserklosters in Alt Brünn geboren. Am 1. Januar 1689 trat er als 18jähriger in das Noviziat des Klosters von Žďár ein. Noch im gleichen Jahr musste Václav gemeinsam mit weiteren Klosterbrüdern das Kloster verlassen, weil dem Konvent am 19. Oktober eine Katastrophe widerfuhr. An diesem Tage brannte das Kloster nieder, die schwer beschädigten Gebäude des Konvents konnten nicht mehr bewohnt werden und der Zustand des Klosters ermöglichte keine Heiligen Messen mehr. Die Mönche mussten sich also für eine gewisse Zeit in anderen Zisterzienserklöstern Zuflucht suchen und zwar wenigstens so lange, bis die Gebäude zum Teil repariert waren.
Der Novize Václav Vejmluva hielt sich damals im westböhmischen Kloster Plasy auf. Hier legte er am 28. März 1690 in die Hände des Gemeindeabtes Odřej Trojer das berühmte Ordensversprechen ab. Danach besuchte er das Kollegium Bernardinum des Erzbischofsseminars in Prag und am 16. Januar 1695 wurde er zum Priester geweiht. In der Zwischenzeit wurde 1691 im mütterlichen Kloster Edmund Wagner Abt, dessen Aufgabe es war, die Fortsetzung und Fertigstellung der Reparaturen, die gleich nach dem Brand begonnen hatten, durchzuführen. Unter der Leitung dieses sehr fähigen Mannes ist das Kloster langsam aus den Ruinen erstanden. Václav kehrte nach seinen Studien in das Kloster von Žďár zurück und übte hier die Funktion des Ökonoms aus, der auf die Klosterwirtschaft zu achten hatte. Später wurde er Sekretär des Abtes. Schon diese Versetzung zeigt uns, das Vejmluva zweifelsohne ein fähiger Mann war, was sich später auch bestätigt hat, als er selbst die Funktion des Abtes ausübte.
Im März des Jahres 1705 starb Abt Wagner. In der Zeit seines Wirkens hat er das Kloster in Žďár nicht nur nach dem tragischen Brand erneut aufgebaut, sondern es auch von fast sämtlichen Schulden befreit. Ende Mai fand im Kloster die Wahl des neuen Abtes statt. Zu diesem wichtigen Schritt wurde nicht nur die Klosterbesatzung einberufen, sondern es waren auch als Beaufsichtigte der Abt des Klosters in Osek, Benedikt Littwerig, der Abt aus Sedlec, Jinřich Snopek sowie die Vertreter der mährischen Versammlung, Karel Antonín, Fürst Braida und Cyril Josef, Freiherr von Košínský, anwesend. Bei der Wahl siegte Václav Vejmluva. Allerdings wurde er vom verstorbenen Abt Wagner als sein Nachfolger empfohlen. Seine Wahl wurde später vom Kaiser bestätigt. Nichts lag mehr im Wege, als Václav Vejmluva im Alter von knapp 35 Jahren den Eid des Abtes ablegte (24. Juni). Am 15. September wurde er noch feierlich vom Olmützer Bischof geweiht. Die kommenden Jahre seines Lebens verliefen im Zeichen der unversiegbaren Pflege um den wirtschaftlichen wie auch geistigen Aufschwung des Klosters. Er sorgte sich auch um die Untertanen, die im Klostergut lebten.
Von außergewöhnlicher Bedeutung war die Begegnung des Abtes Václav Vejmluva mit dem jungen Architekten Johann Blasius Santini-Aichel, irgendwann im Jahre 1706. Das gegenseitige Verständnis auf dem Gebiet der Architektur wie auch der Kunst beider Persönlichkeiten trug viele Früchte in Form verschiedener Bauten auf dem Klostergut. Einige sind bis heute erhalten geblieben.
Es scheint, dass die ersten Aufgaben Santini's in Žďár die Rekonstruktionen des Interieurs der Klosterkirche und die Umbildung des Konvents waren. In der Klosterkirche ging es konkret um die Bereicherung des ziemlich schlichten Inneren. Santini hat sich der Aufgabe mit außergewöhnlichem Gefühl gestellt und gleichzeitig mutig angenommen. 1708 entsteht in der Kirche eine neue Stuckmodellierung und an der Schnittstelle der Viereckkreuzung und des Kreuzschiffes steht auf der Empore eine Brückenorgel. Santini's Handschrift kann man später auch an den Abänderungen des Konvents, der Brunnenkapelle, des südlichen Kirchenschiffes der Quadratur und der Wendeltreppe im westlichen Kirchenschiff erkennen.
Im Jahre 1709 entstand nordwestlich vom Kloster der sog. Untere Friedhof. Später wurden auf dem Vorfeld des Klosters auf Santini´s Vorschlag hin ein Altenheim und ein Gasthaus erbaut. Im Jahre 1720 wurde in der Nähe des Klosters ein Wirtschaftshof genannt „Lyra“ errichtet. Santini schlug scheinbar noch vor seinem Tod im Jahre 1722, dem Abt Vejmluva ein Bauprojekt für die Errichtung einer Akademie zur Erziehung und Ausbildung von Jünglingen aristokratischer Familien vor.
Als das beachtenswerteste Werk, das Santini für Václav Vejmluva entworfen hatte, wird mit Recht das Areal der Wallfahrtskirche des heiligen Johannes von Nepomuk auf dem Grünen Berg angesehen. Santini hat in sein Projekt wohl seine gesamte Fähigkeit gelegt, denn die Kirche wird bis heute nur mit Superlativen bewertet. Am fertig gestellten Werk konnte sich nur noch der Abt Vejmluva selbst erfreuen. Santini war im Dezember des Jahres 1723 verstorben.
Es ist nachgewiesen, dass während der Amtszeit des Abtes Vejmluva die Zahl der Ordensbrüder in Žďár auf mehr als fünfzig gestiegen ist. In der Geschichte des Klosters ist das die höchste Mönchsanzahl überhaupt. Wirklich prächtig konnten so die Festlichkeiten zum 500jährigen Jubiläum der Klostergründung (gemeint ist damit der Einzug der Brüder in Nížkov) in den Tagen vom 28. 8 bis zum 4. 9. 1735 gefeiert werde. Diesen Einzug hat der Abt mit seinen Brüdern fleißig vorbereitet. Doch in der Ferne zogen sich schon finstere Wolken zusammen ….
Die anspruchsvollen Bauveranstaltungen haben sichtbar die Kasse des Klosters ausgeschöpft und nicht ganze zwei Jahre nach dem Fest erlebte das Kloster eine weitere Katastrophe. Am 9. Mai wurde das Kloster absichtlich in Brand gesetzt und das Feuer hatte den größten Teil der Bibliothek, die reiche Ausstattung und Ausschmückung des Konvents in Mitleidenschaft gezogen. Nur durch die große Mühe der Mönche wurde das Interieur des Klosters vor dem Feuer beschützt. Für den 67jährigen Abt Vejlmuva hatte dieser Brand durchaus schlimmere Folgen. Mit diesem Erlebnis konnte sich der alte Mann nicht mehr abfinden. Vielleicht auch deshalb, weil er bereits als Novize den verheerenden Brand des Klosters im Jahre 1689 erlebt hatte und somit sehr gut wusste, welche Mühe und Anstrengung für die Wiederherstellung des Klosters aufgebracht werden muss und dass viele vom Feuer erfassten Schätze nicht mehr ersetzbar sind. Am dritten Tag nach dem verheerenden Brand erlitt Vejmluva einen Schlaganfall. Er überlebte und sein Zustand verbesserte sich sogar, doch ein Jahr nach dem Ereignis, am 17. März 1738, hat ihn der Tod endgültig von seinem nicht leichten, jedoch mit großer Geduld, Hingabe und Liebe getragenen Schicksal erlöst. Das Wort Erlösung ist hier mit Absicht angewendet worden, mit dem Wissen, das sich in den kommenden Jahren das Klostergut im Wirbel der Ereignisse des Krieges um das Österreichische Erbe befand. Die plündernde Armee hat nichts und niemanden verschont, im besseren Falle hat sie sich mit hohem Schutzgeld verbunden….





